Donnerstag, 24. März 2016

Perfection Game


Im Normalfall beginne ich die Retrospektiven meiner Teams mit einer Stimmungsabfrage. Ich bitte alle Teilnehmer auf einer Skala von 0 (schlecht) bis 10 (gut) ein Kreuz zu machen um zu zeigen wie sie sich fühlen und wie zufrieden sie sind. Im Anschluss bitte ich um eine kurze Erklärung, um zu erfahren worauf dieser Wert beruht. Zum einen ist das das symbolische "Setting the Stage", mit dem die Veranstaltung eingeleitet wird, zum bekommen ich und alle anderen dadurch einen Eindruck von der aktuellen Verfassung desjenigen der gerade vorträgt. Nach meiner Erfahrung ist das ein sehr gewinnbringendes Vorgehen, wenn auch kein völlig unproblematisches.

Ein großes Problem bei der Abfrage von derartigen Stimmungsbildern ist, dass diese sehr häufig auf diffusen Gefühlslagen beruhen. Die Teilnehmer können oft nicht genau artikulieren wo sie ein Problem sehen, weshalb es sehr schwierig sein kann Verbesserungsmassnahmen abzuleiten. Ein anderes Problem ist die Scheu vor Extrem-, bzw. Grenzwerten. Selbst wenn jemand nicht sagen kann wie sich eine Situation verbessern ließe wird er nur in den seltensten Fällen die 10 ankreuzen, Luft nach oben ist schließlich immer. In Folge dessen erscheinen auch sehr zufriedenstellende Situationen mitunter negativer als sie eigentlich sind.

Eine Methode um diese Probleme zu umgehen ist das Perfection Game. In ihm wird davon ausgegangen, dass grundsätzlich jede Situation alle Erwartungen erfüllt (→ perfekt ist), es sei denn man kann konkret benennen was zu dieser Perfektion noch fehlt. Dabei muss für jeden Schritt den man auf der Skala nach unten, bzw. nach links geht eine Möglichkeit zur Verbesserung genannt werden. Wer keine nennen kann muss sein Kreuz auf der 10 machen. Natürlich kann es auch dann noch sein, dass der eine oder andere mit dem Ist-Stand nicht zufrieden ist, da er aber anscheinend im Augenblick nicht verbessert werden kann, ist er das Perfekteste was zur Zeit zu erreichen ist.

Insgesamt bringt das Perfection Game drei große Vorteile mit sich: diffuse Wahrnehmungen fließen weniger in die Lagebewertungen ein, die Scheu vor Grenzwerten wird umgangen und es werden von Anfang an Lösungsmöglichkeiten gesammelt statt Probleme zusammengetragen. Ein Nachteil ist dagegen, dass die Stimmungsabfrage nicht mehr für ein "Setting the Stage" genutzt werden kann sondern ein direkter Teil der inhaltlichen Arbeit ist. Wenn man das Perfection Game einsetzt sollte also vorher die Veranstaltung mit einer anderen Methode eingeleitet werden.

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