Montag, 10. Oktober 2016

Certified Scrum Professional

FS
Bild: Wikimedia Commons/Roundhere44 - Public Domain
Seit letzter Woche bin ich dem (organisierten) agilen Olymp eine Stufe näher. Ich habe die Ruhephase zwischen zwei Aufträgen genutzt um mich bei der Scrum Alliance als Certified Scrum Professional (CSP) zertifizieren zu lassen, wodurch ich jetzt in der Verbandshierarchie eine Stufe oberhalb der Certified Scrum Master (CSM) oder Certified Scrum Product Owner (CSPO) stehe.

Überraschend finde ich, dass der CSP verhältnismässig einfach und billig zu bekommen ist. Man zahlt 250 $ und benötigt nur drei Jahre nachweisbare Berufserfahrung im Scrum-Umfeld sowie 70 so genannte "Education Units", die aber recht banal zu bekommen sind: ein paar Fachartikel, ab und zu bei einer User Group wie z.B. dem Bonner Scrumtisch vorbeischauen und das war es. Keine Prüfung, kein Lehrgang, keine Präsenzveranstaltung - im Grunde reicht es einfach seinen normalen Job zu machen und sich ab und zu in der Community sehen zu lassen. Angesichts dessen finde ich es erstaunlich wie wenige CSPs bisher vergeben wurden.

Im Zertifizierungs-Verzeichnis der Scrum Alliance findet man im Moment 384.800 CSMs, immerhin 84.200 CSPOs aber gerade einmal 4.600 CSPs. Lediglich ein Prozent (!) der zertifizierten Scrum Master und Product Owner nimmt die nächste Stufe, die anderen bleiben da wo sie sind. Das ist dürftig, vor allem wenn man bedenkt, dass viele große Unternehmen permanent nach irgendwelchen Zertifizierungen suchen mit denen sie ihre Weiterqualifizierungsquoten für ihre Belegschaft erfüllen können. Was könnte also der Grund für diese niedrige Zahl sein?

Eine gute Begründung hat mir ein in einem Konzern arbeitender Freund gegeben. "Klar, für Dich ist das einfach" meinte er, "aber Du machst ja auch was in dem Bereich. Für die Leute bei uns ist das viel schwerer, die sind ja nur zertifiziert." Hinter diesem "nur zertifiziert" dürfte tatsächlich ein wesentlicher Teil der Begründung liegen: bei einem sehr großen Teil der CSMs und CSPOs handelt es sich um ganz normale Team-, Abteilungs- und Bereichsleiter, die irgendwann mal aus irgendeinem Grund (siehe letzter Abschnitt) auf eine zweitägige Schulung geschickt wurden, danach aber einfach so weitergearbeitet haben wie bisher (das entspricht auch meinem Eindruck aus vielen Unternehmen). Denen dürfte bereits der Nachweis von drei Jahren Scrum-Erfahrung schwerfallen, und ohne die sind auch Fachartikel und Community-Engagement nur schwer vorstellbar.

Weiter gedacht würde das bedeuten, dass es sich bei der organisierten Scrum-Community um einen Scheinriesen handelt. Einer großen Gruppe Zertifikatsinhaber stehen nur wenige gegenüber die auch wirklich nach dieser Methode arbeiten. Schlecht für den State of Scrum, gut für mich als käuflicher Scrum Master und Scrum Coach. Vor allem da jetzt der CSP-Badge auf meinem CV meine Kompetenz noch strahlender zur Geltung bringt als ohnehin schon.
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