Donnerstag, 14. September 2017

Relationale Schätzungen

FS
Bild: Wikimedia Commons / mossi889 - CC BY 3.0
Ob das relationale Schätzen wirklich eine agile Methode im eigentlichen Sinn ist wird immer wieder diskutiert. Tatsache ist, dass die meisten agilen Teams (und fast alle Scrum Teams) derartige Ansätze nutzen um die Größenschätzung ihrer Arbeitspakete durchzuführen. Aber was ist das eigentlich, dieses relationale Schätzen?

Die grundlegende Einsicht dahinter ist, dass das menschliche Gehirn bei Schätzungen bestimmte Schwächen und bestimmte Stärken aufweist. Zu den Schwächen gehört dabei leider eine Schätzung in Zeitaufwänden. Ob eine Arbeit drei oder vier Stunden in Anspruch nehmen wird oder vier oder fünf Tage ist kaum zu sagen, schon gar nicht bei so komplexen und unberechenbaren Aufgaben wie der Neuentwicklung von Software. Zu den Stärken gehört dagegen die Einschätzung von Relationen. Jeder Mensch wird ohne Nachzudenken sagen können, dass eine Walnuss schwerer ist als eine Haselnuss, oder dass das Bauen einer Bank länger dauert als das Bauen eines Stuhls.

Um sich diese Stärke zu mutze zu machen kommt das relationale Schätzen zum Einsatz: neue Aufgaben werden in Bezug gesetzt zu älteren, bereits erledigten. "Wenn das Verarbeiten von Emails mit Word-Anhängen Größe X hatte, ist dann das Verarbeiten von Emails mit Excel-Anhängen ähnlich, größer oder kleiner?" Beruhend darauf ist eine Einschätzung nicht nur einfacher sondern auch wesentlich verlässlicher.

Erfahrungsgemäß hilft es den Beteiligten noch mehr, wenn auch bei diesen Relationsvergleichen keine Zeiteinheiten verwendet werden. Die Frage "Wenn das Erstellen einer Word-Verarbeitung 5 Tage gedauert hat, wie lange dauert dann die Excel-Verarbeitung?" ist zwar einfacher zu beantworten als "Wie lange dauert das Erstellen einer Excel-Verarbeitung?", trotzdem werden sich viele Menschen schwer tun. Leichter fällt es den meisten bei neutralen Einheiten, die nicht sofort mit Zeiteinheiten zu verbinden sind.

Die üblichste dieser neutralen Einheiten sind so genannte Story Points (meistens eine abgewandelte Fibonacci-Reihe), aber es gibt auch T-Shirt-Größen, Tierarten (wie im Symbolbild oben) oder andere selbstentwickelte Einheiten. Das kann jedes Team für sich optimieren.
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