Freitag, 30. August 2019

Kommentierte Links (LII)

FS
  • Mark Lambertz - Warum der Begriff VUCA nicht taugt

  • Für jeden der sich im Umfeld der agilen Frameworks und Vorgehensmodelle bewegt ist das Konzept der Komplexität dauerpräsent. Komplexität wird regelmässig als Ursache, Gegenspieler oder Rahmenbedingung von Agilität genannt, bleibt aber angesichts dieser zentralen Bedeutung erstaunlich unkonkret in der Beschreibung. Mark Lambertz macht sich die Mühe und beleuchtet den Begriff ausführlich von verschiedenen Seiten - und wer mich kennt wird wissen, dass es die Exkurse in die Geisteswissenschaften sind die mir gefallen. Was ich an der Stelle ausserdem interessant finde ist seine Einordnung der über-trivialisierenden Begriffsverwendung in die Kategorie "Beratersprech". Ich selber habe das eher bei autodidaktischen und voreilig selbstsicher gewordenen Kunden erlebt, deren gestrandete agile Pilotprojekte ich aus dem Jammertal herausbegleiten durfte. Letzten Endes ist wohl beides subjektiv.

  • Marcus Raitner: Der Hofnarr an der Seitenlinie

    Der Begriff des Hofnarrs reizt mich zwar immer noch zum diskutieren, abgesehen davon hat Marcus Raitner aber recht. Wenn der Scrum Master seine Rolle als Servant Leader so missversteht, dass er im Team und/oder im Unternehmen die unangenehmen Aufgaben übernimmt, ist irgendetwas ordentlich schiefgelaufen. Egal ob als Mini-PMO, als "Teamsekretärin" oder als Dev-Support, das alles sind Varianten einer schlechten Rollen-Interpretation die es so nicht geben sollte. Dass es doch immer wieder dazu kommt hat so viele Gründe wie Varianten, gültig ist aber hier der unsterbliche Satz von Franz-Josef Strauss: Everybody's darling is everybody's Depp.

  • John Cutler: So You Want to Fix Something?

    Service-Durchsage: John Cutler hat einen neuen Blog mit der skurrilen URL https://cutle.fish. In einem seiner ersten Einträge geht er gleich wieder in die Tiefe und reflektiert was er besser schon früher gewusst hätte um erfolgreiches Change- und Innovationsmanagement zu betreiben. Im Grossen und Ganzen ist es das was der gesunde Menschenverstand nahelegt (zumindest der in agilen Projekten sozialisierte gesunde Menschenverstand). Überschaubare Experimente, Begrenzung paralleler Arbeit, iteratives Vorgehen, nicht alles auf eine Karte setzen. Was aus Sicht eines Agile Coaches ungewöhnlich ist, ist der Ratschlag nicht mit einem speziellen Ansatz identifizierbar zu sein. Der Gegenentwurf zur Fokussierung auf SAFe, Kanban, Scrum, etc.

  • Willem-Jan Ageling: How Managers slowly got removed from Scrum

    Das ist interessant - der Anti-Management-Touch den Scrum heute hat war nicht von Anfang an gegeben. Dass es in der Anfangszeit noch eine Übergangsphase mit deutlich erkennbaren Management-Rollen gegeben haben muss ist zwar naheliegend, in welchem Ausmass das der Fall war ist aber im Rückblick bemerkenswert. Ein Satz wie "[The] Management deals with backlog, risk, and release content” würde heute als schweres Antipattern gelten. Auch dass die letzten Spuren der Management-Rollen erst 2011 aus dem Scrum Guide entfernt wurden überrascht, gefühlt hätte das früher der Fall sein müssen. Vor allem sticht aber die Gegenläufigkeit zweier Tendenzen ins Auge: je mehr das Management aus seinen Regeln verschwunden ist, desto erfolgreicher ist Scrum geworden.
    (siehe auch: Ist der Scrum Master ein Manager?)

  • Katharin Tai: So geht Widerstand

    Mal wieder ein Blick über den Tellerrand. Wie geht man damit um in einem technologisch hochgerüsteten Überwachungsstaat von der Regierung verfolgt zu werden? Mit einer bis ins extrem getriebenen dezentralen Organisationsform. Dieser Artikel aus der Zeit bietet einen faszinierenden Einblick in die Strukturen der demokratischen Proteste in Hong Kong, die so un-hierarchisch sind, dass es nicht mehr gelingt sie durch die Verhaftung von Führungsfiguren zu schwächen.
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