Samstag, 3. November 2018

Wie technikfern darf ein Scrum Master oder Agile Coach sein? (II)

FS
Bild: Pexels / Tim Gouw - CC0 1.0
Die agile Welt ist ein Dorf. Sobald man einige Scrum- oder Kanban-Projekte ausserhalb der IT gemacht hat wird man schnell zum gefragten Ansprechpartner zu diesem Thema. Der Grundtenor klingt dabei immer ähnlich: "Ich interessiere mich ja sehr für Agilität, Scrum Master oder Agile Coach wäre was für mich. IT ist aber nicht so mein Ding. Wie finde denn ich Jobs in anderen Bereichen?" Nun ja.

Es ist nicht so als würde es diese Jobs nicht geben (zwar nicht viele, aber es gibt sie). Ich habe bereits Teams coachen dürfen die mit Scrum oder Kanban im Vertrieb, in der Hardwarefertigung, im Kundenservice und im Change Management gearbeitet haben, dazu kommen immer mehr Beispiele aus anderen Bereichen, zum Beispiel gibt es in meiner Heimatstadt Bonn sogar Scrum im Schulunterricht.

Das letzte dieser Beispiele zeigt aber auch direkt das erste Problem auf: selbst wenn manche Anwendungsgebiete IT-fern sind, einfach zugänglich sind sie aber trotzdem nicht unbedingt. Es darf eben nicht jeder an einer Schule unterrichten, dafür muss man vorher an einer Universität gewesen sein und Lehramt studiert haben. Auch in anderen Fällen stösst man schnell an Grenzen formaler Art, die nicht einfach zu überwinden sind.

Nun engt sich damit die Zahl in Frage kommender Jobs zwar weiter ein, aber es gibt sie, oder? Die Antwort: ja, aber. Sie existieren natürlich, in sehr vielen Fällen allerdings nur temporär. Agilität in Service- oder Hardware-Bereichen findet häufig da statt, wo Innovationsarbeit geleistet wird. Für Experimente, Prototypen und MVPs lohnt sich agiles Arbeiten, sobald die Serienfertigung oder -durchführung beginnt eher nicht mehr.

Scrum Master- oder Agile Coach-Stellen sind in solchen Kontexten nur zeitweise nötig. Derartige nicht-IT-Projekte leihen sich eine solche Person daher in der Regel vorübergehend aus, und zwar von da wo es sie bereits gibt - eben aus der IT. Die Alternative, das Vorhalten eines permanenten Scrum Master- oder Coach-Pools, würde eine Nachfrage voraussetzen die es in den meisten Firmen nicht gibt.

Ist die Suche nach einer Position ausserhalb der IT also völlig hoffnungslos? Das zwar nicht, realistisch betrachtet ist die Wahrscheinlichkeit einen zu finden aber sehr gering, zumindest wenn es eine langfristige Beschäftigung sein soll. Was am ehesten sein kann ist, dass sich eine temporäre Stelle finden lässt, die man mit etwas Glück besetzen kann. Es fragt sich nur - was passiert wenn dieses Projekt vorbei ist?

Die eine Möglichkeit wäre das Entlanghangeln von einer temporären Stelle zur nächsten. Nicht unmöglich aber sehr schwierig - so viele derartige Jobs gibt es auch nicht. Die andere Möglichkeit wäre, eine Beschäftigung im agilen nicht-IT-Bereich als Vorstufe für einen Einstieg in die IT zu benutzen. Aufgrund des Fachkräftemangels ist das nicht einmal unrealistisch, allerdings kommt man dann an der Beschäftigung mit der Technik nicht mehr vorbei. Dieser Umstände sollte man sich bewusst sein.
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