Zentrale und dezentrale Technologie-Modernisierung
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| Bild: Wikimedia Commons / Армія Інформ - CC BY 4.0 |
Wenn grosse Organisationen durch grosse technische Erneuerungsprogramme gehen (egal ob im Hardware- oder Software-Bereich) ist das mit einer Komplexität behaftet, die man sich als Aussenstehender kaum vorstellen kann. Vereinfacht gesagt gibt es dabei aber zwei Ansätze: zum einen eine zentrale Steuerung aller damit verbundenen Vorhaben, zum Anderen ein dezentrales Vorgehen, bei dem den einzelnen Organisationseinheiten grosse Freiheiten gelassen werden.
Eine aussergewöhnliche Gegenüberstellung dieser beiden Ansätze kann man im Paper Evolvement of C2/C4ISR during the Russo-Ukrainian War, veröffentlicht von der Universität der finnischen Armee nachlesen (Kapitel 14 dieses Dokuments). Zu den aussergewöhnlichen Umständen gehören dabei der hohe Erfolgsdruck, das hohe Tempo der technischen Innovation und die Tatsache, dass beide Seiten genau unterschiedlich vorgingen - die Russen zentralisiert, die Ukrainer dezentral.
Beide Vorgehensweisen sind dabei mit einer zugrundeliegenden Erwartungshaltung verbunden: das dezentrale Vorgehen verspricht schnelle Ergebnisse, die dafür mit einer Uneinheitlichkeit erkauft werden, die Integration und Betrieb schwieriger macht. Das zentralisierte Vorgehen dauert dagegen länger, dafür sind die Ergebnisse einheitlicher und dadurch einfacher zu integrieren und reibungsloser zu betreiben - zumindest in der Theorie.
In der Realität führten dagegen beide Ansätze zu einem hohen Ausmass an Uneinheitlichkeit, Problemen und Improvisation, nur die Gründe dafür waren unterschiedlich: während diese Zustände bei den dezentral agierenden Ukrainern bewusst in Kauf genommen worden waren, wurden sie bei den Russen unbeabsichtigt durch das zentralisierte Vorgehen erzeugt, das damit genau das Gegenteil dessen erreichte, wofür es eigentlich vorgesehen war.
Zum einen lag das daran, dass der Versuch einer zentralen Steuerung zu Einheitslösungen führte, die dann in vielen lokalen Kontexten den dort gegebenen Herausforderungen nicht gerecht wurden, und zum anderen daran, dass dieses Vorgehen zu langen und teilweise bürokratischen Entscheidungswegen führte, die mit der Geschwindigkeit der technischen Entwicklungen nicht mithalten konnten. In beiden Hinsichten funktionierte das dezentrale ukrainische Vorgehen besser.
Wie weiter oben geschrieben ist dieser Fall (russische und ukrainische Armee) aussergewöhnlich, es gibt aber Parallelen zu anderen, sich schnell ändernden Umgebungen. Auch in denen kann es nicht nur zu schnelleren sondern auch zu besseren Ergebnissen führen, wenn Entscheidungen (und Budget) in die einzelnen Organisationseinheiten delegiert werden, wo schnelle und unbürokratische Entscheidungen getroffen werden können, ohne durch zentrale Vorgaben zu sehr eingeschränkt zu sein.
