Donnerstag, 1. Oktober 2026

Kommentierte Links (CXXXIV)

Bild: Pexels / Ekam Juneja - Lizenz
Das Internet ist voll von Menschen, die interessante, tiefgründige oder aus anderen Gründen lesenswerte Artikel schreiben. Viele dieser Texte landen bei mir, wo sie als „Food for Thought“ dazu beitragen, dass auch mir die Themen nicht ausgehen. Wie am Ende jedes Monats gibt es auch diesesmal wieder eine kommentierte Übersicht über die erwähnenswertesten.

Ralph Jocham: Scrum's Protocol Is Easy to Copy. Its Agenda Is Not.

Wenn man mit Anwendern über Scrum spricht hört man immer wieder zwei erstaunlich gegensätzliche Meinungen: für die einen ist Scrum einfach zu verstehen und umzusetzen, für die anderen nur schwer zu greifen und hochgradig anspruchsvoll in der Nutzung. Ralph Jocham hat dafür eine gute Erklärung - das scheinbar Einfache ist der formale Rahmen, das Anspruchsvolle ist die Erreichung der dahinterstehenden Ziele, für die die Formalitäten nur Mittel zum Zweck sind.

Steve Blank: AI Killed the MVP – Long Live the IUP

Aus dem guten alten Minimum Viable Product (MVP) sind mit der Zeit unzählige Varianten abgeleitet worden, vom Riskiest Assumption Test bis zum Minimum Lovable Product. Steve Blank bringt eine weitere Variante ins Spiel, das Initial Untested Product (IUP), eine mit Hilfe von KI erstellte digitale Anwendung, die deutlich vollständiger ist als ein MVP, im Gegensatz zu diesem aber noch nicht an echten Usern getestet wurde (was aber natürlich noch folgen muss).

Maarten Dalmijn: Mastering the Four Abstraction Levels of Refinement

Ein Phänomen, dem ich immer wieder begegne, ist, dass die Backlog Refinements agiler Entwicklungteams mit sehr geringem Vorlauf stattfinden, häufig nur von wenigen Tagen. Maarten Dalmijn gibt hier eine gute Anleitung für einen grösseren Denkrahmen: man fängt an mit dem übergreifenden (Produkt-)Ziel, macht weiter mit dem funktionalen Lösungsansatz und der technischen Realisierungsidee. Erst dann leitet man die umsetzbaren Arbeitspakete daraus ab.

Chee-Hong Hsia: Hi Scrum Masters, if your goal is to make yourself obsolete, then you're doing it all wrong.

Ich vertrete schon seit längerem die eher seltene Meinung, dass der Satz "Der Scrum Master schafft sich selber ab" einer der veheerendsten Irrtümer rund um dieses Framework ist (siehe hier). Chee-Hong Hsia ergänzt das um einen wichtigen Aspekt: hinter der Idee, dass ein Team irgendwann keinen Scrum Master mehr braucht, steckt oft die Annahme, dass irgendwann der Zeitpunkt erreicht ist, an dem es alles gelernt hat und sich nicht mehr entwickeln muss - weiter an der Realität vorbei geht es kaum.

Christoph Laskowski: Warum Mikel Arteta sein eigenes Team sabotiert

Eine kleine Anekdote aus einer ungewöhnlichen Ecke: Mikel Arteta, der in der schwersten Fussball-Liga der Welt Meister geworden ist, bringt sein Team regelmässig mit unangekündigten Interventionen aus der Routine heraus, von (scheinbaren) Diebstählen über geänderte Tagesabläufe bis hin zu kurzfristig umgeplanten Reiserouten. Das Ziel, dadurch Resilienz und Anpassungsfähigkeit zu stärken, erinnert sehr an Chaos Engineering.