Montag, 20. Februar 2017

It's the business, Scrum Master

FS
Bild: Unsplash/Olu Eletu - CC0 1.0
Beim Bonner Scrumtisch letzte Woche war meine Session diejenige mit dem wenigsten Zuspruch. Vielleicht waren die anderen interessanter, vielleicht bin ich unbeliebt, vielleicht lag es aber auch am Thema: es war "Business Value". Bei derartigen Meetups machen Scrum Master und Agile Coaches den Großteil der Teilnehmer aus, und mein Erfahrungswert ist der, dass die meisten sich bei diesem Thema nicht zuständig fühlen. Für den Business Value wird im besten Fall auf den Product Owner verwiesen (der dann oft auch untätig ist), im schlechtesten Fall heisst es "der kann für unsere Anwendung nicht berechnet werden".

Die Folgen dieser Haltung sind offensichtlich: ich habe in den letzten Jahren eine mittlere zweistellige Zahl an Scrum Teams begleiten dürfen, mir fallen aber keine fünf ein in denen Anforderungen anhand ihres Geschäftswertes priorisiert wurden1. Genau das was mit Scrum erreicht werden sollte trat dann oft nicht ein: die frühe Lieferung benutzbarer und Mehrwert schaffender Software. In den betroffenen Unternehmen wurde der Ruf der Methode dadurch beschädigt - man hatte zwar "shippable Code", der tatsächliche Mehrwert entstand aber so spät, dass behauptet werden konnte, dieser Zeitpunkt wäre mit einem Wasserfall-Vorgehen genauso schnell erreicht worden.

Ja aber, haben mir Scrum Master an dieser Stelle regelmäßig entgegnet, der Business Value liegt nun mal im Aufgabenbereich des Product Owners. Ich kann dem ja schlecht sagen wie er sein Backlog priorisieren soll, und wenn ich es doch tun würde, dann würde ich gegen die Aufgabenverteilung in Scrum verstossen. Allerdings lagen sie an dieser Stelle so falsch wie es falscher kaum sein könnte. Der Scrum Guide ist mehr als eindeutig: The Scrum Master serves the Product Owner in several ways, including [...] Ensuring the Product Owner knows how to arrange the Product Backlog to maximize value.

Machen wir uns nichts vor, diese Aufgabe ist nicht einfach. Die meisten Scrum Master die ich kenne waren ursprünglich Software-Entwickler, Teamleiter oder Projektmanager, die wenigsten haben einen betriebs- oder sonstwie -wirtschaftlichen Hintergrund. Und oft genug kommt man an eine Stelle an der man nicht weiter weiss: wie ist z.B. der Wert einer User Story mit der eine Seite von adaptive auf responsive Design umgestellt wird? Aber [Populismus on] wenn es einfach wäre könnte es jeder [/Populismus off]. Wie das im Detail aussieht ist dann nochmal ein eigenes Thema.

Wichtig ist die Erkenntnis, dass man als Scrum Master für den Business Value zuständig ist und sich daher intensiv damit beschäftigen sollte.


1Weitere haben sich von mir überreden lassen es zu versuchen, haben aber nach kurzer Zeit aufgegeben

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