Dienstag, 18. April 2017

10 Dinge die man bei einer Kanban-Einführung beachten sollte

FS
Grafik: Wikimedia Commons/Ian Mitchell - CC BY-SA 2.5
Beim bonner Scrumtisch der letzten Woche drehte sich eine sehr unterhaltsame Session um das Thema der größten Fehler die man im Rahmen einer Kanban-Einführung machen kann. Eigentlich wollte ich auch darüber schreiben, allerdings habe ich mich dann doch entschieden der Sache einen positiven Spin zu geben. Daher umgekehrt: was sollte man auf jeden Fall beachten? Hier sind die Ergebnisse der Diskussion:

1. WIP-Limits einhalten

Man kann es auch umgekehrt formulieren: Multitasking vermeiden. Nur wenn es für jeden Beteiligten eine begrenzte Zahl parallel möglicher Arbeiten gibt kann vermieden werden, dass halbfertige Aufgaben lange Zeit unvollendet liegenbleiben.

2. Nach Verbesserungen suchen

Start where you are und visualize the flow - damit geht es immer los. Das alleine reicht aber nicht, sobald der Arbeitsfluss einmal erkannt ist muss er auf Blocker und Flaschenhälse untersucht werden an deren Beseitigung dann gearbeitet werden kann. Nur so wird die Arbeit effizienter.

3. Messen was man tut

Entscheidungen aus dem Bauch heraus treffen ist schlecht, Entscheidungen datengetrieben treffen ist besser. Wie sind die Kennzahlen für Lead Time, Cycle Time, Wartezeiten und Cost of Delay? Erst wenn man sie kennt kann man messen ob sie sich verbessern.

4. Regelmässig Retrospektiven durchführen

Ständige Verbesserung klingt zwar gut, geht aber häufig im Alltag unter. Für ein bewusstes Inspect & Adapt muss man sich Zeit nehmen, und zwar regelmässig.

5. Fokussiert und sequentiell an einzelnen Aufgaben arbeiten

Bezieht sich nicht auf einzelne Augaben sondern auf größere Vorhaben. Wer hier permanent hin und her springt wird sich verzetteln und durch ständige Kontext Switches ineffizient werden. Das geordnete Abarbeiten bringt frühere und bessere Ergebnisse.

6. Ein echtes Kanban Board/Kanban System aufsetzen

To Do - In Progress - Done ist kein Kanban Board, da hier nur ein einziger, zu generischer Arbeitsschritt vorkommt. Sinnvoll wäre zum Beispiel To Do - In Development - Review - Test - Deploy - Done. Hier lassen sich einzelne Arbeitsschritte erkennen und optimieren.

7. Keine Hidden Steps haben

Passt zum letzten Punkt. Wenn einzelne Arbeitsschritte (z.B. das Deployement) nicht sichtbar gemacht werden kann sich Arbeit unbemerkt und intransparent hierhin verlagern.

8. Niemals "fertig werden"

Ein häufiger Trugschluss: man führt Kanban einmal ein, es funktioniert und man kann es unverändert immer weiter benutzen. Leider ist das nicht so, es gibt immer Optimierungspotential - alleine weil jede neue Optimierung Seitenauswirkungen auf bestehende Prozesse hat. So geht es immer weiter.

9. Informationen immer aktuell halten

Wenig ist sinnloser als ein Haufen alter und dadurch nicht mehr verwendbarer Daten. Nur wenn sie aktuell sind bringen sie einen Mehrwert, schließlich will man die Gegenwart optimieren und nicht die Vergangenheit.

10. Pragmatisch sein

Pragmatisch ist etwas anderes als Beliebig. Bei allem was man tut sollte immer klar sein was man damit erreichen will. Wenn einem das bewusst ist weiß man auch wo man das Vorgehen anpassen kann und wo nicht.


Diese Liste ist natürlich selektiv und subjektiv, man könnte noch vieles weitere hineinbringen. Für den Anfang bietet sie aber eine gute Übersicht. Und sich alleine daran zu halten würde einige Teams die ich kenne deutlich voranbringen.
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