Donnerstag, 5. Oktober 2017

Es gibt keine Kanban-Rollen - oder doch?

FS
Bild: Pixabay - Schuetz Mediendesign - CC0 1.0
Zu den Fragen die im Rahmen von Kanban-Trainings immer wieder gestellt werden gehört die nach den Rollen die dieses Framework mit sich bringt. Vor allem die nach einem Äquivalent des Scrum Masters taucht immer wieder auf. Die Antwort kann allerdings immer nur sein, dass derartige Rollen in Kanban nicht vorgesehen sind. Das ergibt sich sogar zwangläufig aus seiner Natur, die eine andere ist als die von Scrum.

Scrum ist designt als ein Framework mit dem Zweck der Produktherstellung. Es definiert daher verschiedene Rollen, einen bestimmten Ergebnistyp und klar definierte zeitliche Abläufe, während derer bestimmte Tätigkeiten auszuüben sind um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Kanban ist im Gegensatz dazu ein Framework mit dem Zweck der Prozessverbesserung, dass auf jeden beliebigen bestehenden Prozess aufgesetzt werden kann um ihn nach und nach zu optimieren. Da zu diesen bestehenden Prozessen auch bestehende Rollen gehören können ist es nicht möglich neue Rollen verbindlich zu definieren. Der bestehende Prozess würde dadurch nicht mehr nach und nach optimiert sondern aprubt verändert, was so nicht vorgesehen ist.

Ungeachtet dieser grundsätzlichen Funktionsweisen besteht aber trotzdem eine Konstellation in der die Schaffung von Rollen nötig sein kann. Dann nämlich wenn eine neue Organisationseinheit von Beginn an mit den Kanban-Werzeugen arbeiten soll (Boards, Wertströme, WIP-Limits), und zwar bewusst ohne sich initial an die bisher bestehenden (suboptimalen) Prozesse anzulehnen. Zwar könnte man auch komplett ohne Vorgaben starten und warten bis sich aus dem Chaos Strukturen bilden, der damit verbundene Effektivitäts- oder Effizienzverlust führt aber dazu, dass dieses Vorgehen praktisch nie angewandt wird.

Der zur Zeit populärste Ansatz wurde 2016/2017 unabhängig voneinander von David Anderson und Jeff Sutherland entwickelt und lehnt sich stark an Scrum an. Als Äquivalent zum Scrum Master gibt es auch hier einen Prozessverantwortlichen (Flow Master, Flow Manager oder Delivery Manager), als Äquivalent zum Product Owner ist auch ein Produktverantwortlicher vorgesehen (Service Manager, Product Owner oder Product Manager). Anders als bei Scrum handelt es sich hier um Rollen im eigentlichen Sinn, das heisst sie können ggf. auch von Personen übernommen werden deren eigentliche Jobs ganz andere sind. Auch ein Umsetzungsteam existiert, das aber stärker arbeitsteilig sein kann als in Scrum.

Von elementarer Bedeutung ist, dass auch diese Rollen sich im Rahmen der kontinuierlichen Optimierung verändern, verschwinden oder vermehren  können. Wäre das nicht mehr der Fall gäbe es Teile der Organisation die per Definition nicht optimiert werden dürften. Das aber wäre mit Kanban nicht mehr vereinbar.
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