Montag, 6. Januar 2020

The agile Bookshelf: The Watchman's Rattle

FS
Bild: Wikimedia Commons / Nxr-at - CC BY-SA 4.0
Alleine der Titel des Buches klingt bereits vielversprechend. "The Watchman's Rattle: A Radical New Theory of Collapse" hat Rebecca D. Costa ihr bisher einziges Buch genannt. Es ist zwar kein Werk das sich um Agilität im engeren Sinne dreht, es hat aber ein Hauptthema das ursächlich dafür ist, dass die agilen Ansätze überhaupt erst entstanden sind: Komplexität. Wie sie entsteht, welche Auswirkungen sie hat und welche Folgen.

Ausgangspunkt ist eine erstaunlich naheliegende Annahme: das menschliche Gehirn ist von der Natur nicht für die Bewältigung grosser Komplexität entwickelt worden. In den ca. sechs Millionen Jahren in denen der Mensch sich aus dem Affen entwickelt hat sind die Herausforderungen grösstenteils sehr schlicht gewesen. Essen finden, sich vor Tieren schützen, mit dem eigenen Stamm interagieren. Komplexität in Kultur und Gesellschaft entwickelte sich erst vor etwa 10.000 Jahren und hochkomplexe Systeme erst seit der industriellen Revolution vor etwa 200 Jahren. Die menschliche Evolution kann mit dieser Geschwindigkeit nicht mithalten.

Im Buch sind zahlreiche Beispiele für das Scheitern der Menschheit an zu hoher Komplexität aufgeführt, am prominentesten der Untergang der Römer, Maya und Khmer. Auch Erklärungen werden mitgeliefert, im Wesentlichen abgeleitet aus Biologie und Evolution. Fettleibigkeit mitsamt der damit verbundenen persönlichen und gesamtgesellschaftlichen Nachteile beruht auf Jagd- und Fresstrieben, fehlendes Denken über den Tellerrand hinaus entsteht aus der Revierverteidigung, das Überlagern langfristiger Planung durch kurzfristige Handlungen ist darauf zurückzuführen, dass der tägliche Überlebenskampf wichtiger war als alles andere, etc.

Abgeleitet aus diesen grundlegenden Überlegungen identifiziert Costa fünf verbreitete Handlungsmuster, die ursächlich für das Scheitern an komplexen Herausforderungen sind: destruktive Kritik statt Finden von Alternativen, Suche nach Schuldigen statt nach Lösungen, Überbewertung von Korrelationen (und deren Verwechselung mit Kausalitäten), Silo-Denken ohne Berücksichtigung systemischer Zusammenhänge und die Höherbewertung von wirtschaftlichem Erfolg über dem Wohlergehen von Natur und Mitmenschen.

Wie immer wenn Komplexität ernsthaft behandelt wird gibt es auch hier keine einfachen Lösungen. Was Costa bieten kann sind: langfristig wachsende Probleme identifizieren so lange sie noch nicht drängend sind, das Verzögern von Problemfolgen nicht mit dem Lösen von Problemen verwechseln, vielschichtige Probleme nicht mit einzelnen oder einfachen Lösungen bekämpfen, Lösungsmassnahmen regelmässig überprüfen und bei Bedarf an die mittlerweile gewonnenen Erkenntnisse anpassen.

Insgesamt enthält das Buch zwar nichts revolutionär Neues, es gelingt ihm aber viele Informationen so zusammenzutragen und zueinander in Bezug zu setzen, dass ein neuer, unkonventioneller Blick auf die anstehenden Herausforderungen entsteht. Gleichzeitig findet sich an seinem Ende ein beeindruckend grosses Literatur- und Quellenverzeichnis, das genug weiterführenden Stoff für das ganze Jahr bieten dürfte.
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