Montag, 22. März 2021

Hybrid

Bild: Pixabay / Krefe - CC0 1.0

Es ist fast schon ein Naturgesetz. Bei praktisch jeder Unternehmenstransformation in Richtung Agilität kommt früher oder später jemand auf die Idee, dass man doch auch ein "hybriden" Ansatz wählen könnte. Gemeint ist damit in der Regel eine Mischung aus klassischen und agilen Vorgehensweisen, gewissermassen "das Beste aus beiden Welten". Das mag auf den ersten Blick auch verlockend wirken, zeugt in Wirklichkeit aber nur von einem grossen Missverständnis.


Um zu verstehen warum das so ist, ist ein Schritt zurück nötig, zur Frage was Agilität eigentlich bedeutet. Kurz gesagt: es ist die Fähigkeit in kurzen Abständen Mehrwert zu liefern und auf Änderungen zu reagieren. Und da davon ausgegangen wird, dass die Rahmenbedingungen sich ständig ändern muss ständig aufs Neue daran gearbeitet werden agil zu werden oder zu bleiben. Mit anderen Worten - es ist ein Zielbild. Das kann sowohl mit den bestehenden Prozessen und Strukturen erreicht werden als auch mit neuen, Hauptsache es funktioniert.


Im Gegensatz dazu sind die meistens als "klassisch" bezeichneten Ansätze deutlich stärker deskriptiv ausgestaltet. In ihnen wird in zum Teil erstaunlichem Detaillierungsgrad vorgegeben wer wann was zu tun hat, wie und wo er das zu dokumentieren hat, wem er davon zu berichten hat und was dieser mit den erhaltenen Informationen zu tun hat. Die Einhaltung dieser Vorgaben wird in den meisten Organisationen regelmässig überprüft und eine Abweichung sanktioniert.


Was durch diese Gegenüberstellung klar wird ist, dass "Agil" und "Klassisch" nicht nur unterschiedliche Methoden sind sondern grundsätzlich verschiedene Konzepte. Agilität definiert sich durch einen Zielzustand, der mit sich ständig ändernden Mitteln verfolgt und wiederhergestellt werden muss, klassische Vorgehensmodelle legen dagegen sehr klar die Abläufe und Strukturen fest, die bereits im hier und jetzt dem finalen Zielbild entsprechen und sich nur noch möglichst wenig ändern sollen.


Bedingt durch diese Unterschiede führt der Versuch hybride Ansätze zu etablieren in praktisch allen Fällen in nicht lösbare Konflikte. Einen Umsetzungsweg zur selben Zeit zu standardisieren und ihn möglichst offen und flexibel zu lassen ist einfach nicht möglich. Im Ergebnis wird entweder eine der beiden Seiten sich durchsetzen oder es wird zu einem ständigen Hin und Her kommen, auf Kosten von Nerven und Ressourcen.


Diese Zusammenhänge zu erkennen und zu vermitteln kann übrigens nicht nur vorbeugend sinnvoll sein. Die meisten festgefahrenen oder scheiternden Transitionsvorhaben befinden sich ebenfalls wegen dem (sicher gut gemeinten) Versuch hybrid vorzugehen in diesem Zustand. Sich davon zu lösen kann der entscheidende Schritt sein um wieder Fahrt aufzunehmen.

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