Montag, 16. Oktober 2017

Story Points

FS
Bild: Publicdomainpictures - CC0 1.0
Es gibt eine Grundsatzdebatte die bei fast jeder Scrum-Einführung aufkommt, und zwar die um die Story Points. Muss das sein? Warum braucht man die? Warum schätzen wir nicht in Personentagen, wie jeder andere auch? Alle diese Fragen sind berechtigt und müssen beantwortet werden wenn diese Methode vom Team akzeptiert und angewandt werden soll. Story Points sind nämlich keineswegs Teil von Scrum, sie sind good Practice und können von jedem Team auch weggelassen werden.

Um zu verstehen warum man es zwar kann aber nicht sollte bietet sich ein Gedankenspiel an. Ein Team schätzt eine Anforderung während eines Backlog Refinements und benutzt dabei Personentage als Metrik. Die Schätzung ist auch einigermassen realistisch. In einem der folgenden Sprints beginnt ihre Umsetzung, und jetzt stellt sich aber heraus, dass die geschätzte Zeit nicht ausreichend ist (tatsächlich passiert das sogar recht häufig). Fast jedes Team wird an dieser Stelle bestätigen, dass ihnen das permanent passiert. Woran kann das liegen?

Ein häufiger Grund ist, dass einzelne Teammitglieder fehlen, etwa durch Urlaub, Krankheit oder Weiterbildungen. Das beeinflusst die Schätzung auf den ersten Blick nicht, die Anzahl der Personentage muss dann eben auf weniger Personen verteilt werden, bleibt aber gleich. Tatsächlich ist aber Expertise in fast allen Teams ungleich verteilt, und ohne den größten Experten z.B. zum Thema Frontend braucht eine Anforderung auf einmal nicht mehr vier Personentage sondern sechs. Auch andere Faktoren können in ähnlicher Form den nötigen Aufwand vergrößern, etwa das Training on the Job eines neuen Kollegen.

Um die Schätzungen realistisch zu halten dürften sie aufgrund dieser Faktoren nur zu Beginn eines Sprints stattfinden, wenn klar ist wer während seiner Laufzeit anwesend und verfügbar sein wird. Das wäre zwar realistischer, allerdings würde es dadurch unmöglich weiter in die Zukunft zu planen. Story Points bieten einen Ausweg aus dieser Situation. Sie sind eine neutrale Größe mit der man langfristig planen kann, die aber in jedem Sprint neu interpretiert werden kann. Z.B: Mit dem ganzen Team würden wir ca. 20 Story Points schaffen, mit einem Mitglied weniger ein Fünftel weniger, wenn der Abwesende unser Frondend-Experte ist ein Viertel weniger.

Es gibt darüber hinaus noch weitere Argumente für Story Points, etwa die Veranlagung des menschlichen Gehirns zum relationalen Schätzen oder die dadurch möglichen Moderationstechniken. Wenn all das einem Team erklärt wird einscheidet es sich in den meisten Fällen dafür dauerhaft mit dieser Metrik zu arbeiten.
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