Montag, 23. Januar 2023

Lean-Metriken (I)

Was sind eigentlich die im Lean Management verwendeten Metriken? Die darauf häufig gegebene Antwort ist Durchflussmessung, was auch grundsätzlich richtig ist (wenn auch nur ein Teil der Antwort). Allerdings gibt es mehr als eine Art davon, so dass sich eine Aufschlüsselung lohnt. Wichtig zum Verständnis ist dabei, dass es nirgendwo eine zentrale Stelle gibt, die die Begriffe und ihre Bedeutungen festlegt. Je nachdem wo man ist kann es also Unterschiede geben, die grundlegenden Typen werden aber die gleichen sein.


Customer Lead Time

Die Gesamtzeit zwischen der Beauftragung durch einen Kunden und dem Beginn der Nutzung des bestellten Produkts oder Service durch ihn. Eine der eher selten erhobenen Zahlen, aus Kundensicht aber eine der wichtigsten. Sie zu messen kann verhindern, dass zwar die internen Produktions- und Lieferprozesse optimiert sind, gleichzeitig aber unbemerkte Verzögerungs- und Frustrationsfaktoren bei beim Kunden vorliegen, z.B. ein kompliziertes Einloggen in Bestellportal oder ein langwieriger Schulungsprozess der Anwender.


Feedback Loup Time

Diese Zahl ist der ersten ähnlich, geht aber noch einen Schritt weiter. Gemessen wird nicht nur die Gesamtzeit zwischen der Beauftragung durch einen Kunden und dem Beginn der Nutzung des bestellten Produkts oder Service, sondern zusätzlich auch die Zeit die für eine erste Nutzung, das Sammeln von Feedback und dessen Übermittlung an den Produzenten nötig sind. Vereinfacht gesagt: erst nach dem ersten Feedback Loop weiss man, ob man dem Kunden helfen konnte.


(Production) Lead Time

Das ist die erste rein interne Metrik, und vermutlich auch die bekannteste. Erhoben wird die Gesamtdauer aller Vorgänge vom Auftragseingang bis zur Auslieferung. Grundsätzlich ist das zwar relativ einfach zu erheben, kompliziert wird es aber dann, wenn Zulieferer Hardware- oder Software-Komponenten vorfertigen, die dann nur noch eingebaut werden müssen. Die Bestellung, Erstellung und Lieferung dieser Komponenten muss ggf. in die Lead Time mit einbezogen werden.


Pre-Processing Lead Time / Processing Lead Time / Post Processing Lead Time

Bei diesen drei Typen wird die Lead Time in drei unterschiedliche Abschnitte unterteilt, die sich so fast überall wiederfinden und separat betrachtet werden können. Die Pre-Processing Lead Time umfasst alle Verhandlungs, Bestell- oder Beauftragungsprozesse, die Processing Lead Time ist die eigentliche Anfertigung inclusive Qualitätssicherung, die Post-Processing Lead Time umfasst die nachgelagerten Auslieferungs- und Rechnungsstellungs-Prozesse.


Cycle Time

Nach der Lead Time die vermutlich zweitbekannteste Metrik. Für ihre Erhebung werden die übergreifenden Abschnitte nochmal unterteilt, z.B. die Processing Lead Time in Vormontage, Endmontage und Qualitätssicherung. Diese Unterteilung kann u.a. deshalb Sinn machen, weil verschiedene Cycle Times parallel laufenden Prozessen entsprechen können (z.B. zwei verschiedenen Vormontagen), die aufeinander abgestimmt werden sollen.


Process Step Time

Die kleinste Einheit, die nur noch wenigen manuellen oder automatisierten Vorgangsschritten entspricht. In der Hardware-fertigenden Industrie wäre das z.B. eine Station am Fliessband, bei Software-Releases kann eine Build Pipeline-Station so gemessen werden. Wichtig bei der Process Step Time ist, dass sie v.A. bei repetitiven Tätigkeiten und Prozessen Sinn macht, nicht in der Wissensarbeit (z.B. in Journalismus und Softwareentwicklung), wo sie aufgrund fehlender Vergleichbarkeit kaum Aussagekraft hat.


Wie bei allen Metriken gilt auch bei den verschiedenen Durchflussmessungen, dass sie kein Selbstzweck sind. In der Regel dient ihre Erhebung dem Ziel die Flusseffizienz zu optimieren. Dafür sind nochmals weitere Unterteilungen und Differenzierungen nötig, für die es einen zweiten Teil dieses Textes über Lean-Metriken geben wird.

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