Donnerstag, 19. Juli 2018

Sommer, Sonne, Schlendrian

FS
Bild: Wikimedia Commons / Duncan Galbraith - CC BY 3.0
Ferien! Es ist Sommer, die Sonne scheint und die Büros werden leer. Ein Grossteil der Mitarbeiter fährt in den Urlaub und es bleiben nur wenige zurück, die eher einen Notbetrieb aufrecht halten als geregelt zu arbeiten. Mitunter kommen die Zurückgebliebenen dann auf die Idee, für die Ferienzeit das eigene Vorgehen "pragmatisch anzupassen". Und damit beginnen die Probleme.

Sowohl in der Produktion als auch in der Methodik sind die Möglichkeiten für den kleinen und grossen Murks unbegrenzt. Die Backend-Entwickler sind in Spanien? Kein Problem, die Frontendler produzieren schonmal "auf Halde". Es sind keine Tester verfügbar? Nicht schlimm, dann gibt es nach den Ferien eine Bugfixing-Phase. Der Product Owner ist auf Kreuzfahrt? Dann wird eben der Scrum Master zeitweise zum Scroduct Ownster. Alles nicht so wild, was soll schon passieren?

Was passieren kann (und sehr häufig auch passiert) ist, dass durch derartige Konstellationen in den Ferien technische und organisatorische Schulden angehäuft werden. Nicht integrierte Komponenten, ungetestete Features oder "verschlankte" Prozesse können langfristige Folgen von erstaunlichem Ausmass haben - vom unkorrigierbar erratischen Verhalten einer Anwendung bis zum kryptisch fragmentierten Backlog ist alles möglich und alles bereits vorgekommen.

Die folgerichtige Frage ist: wie können auch mit reduzierter Besatzung genug Strukturen und Standards aufrechterhalten werden? Verschiedene Maßnahmen machen Sinn. Am Einfachsten ist es natürlich wenn nur Teile des Teams zur selben Zeit in den Urlaub fahren (oder aber alle gleichzeitig). Und für alle Tätigkeiten können Stellvertreter ausgesucht und trainiert werden, mit dem Ziel, dass bestimmte Dinge nicht vermischt werden (z.B. Anforderer ≠ Entwickler und PO ≠ Scrum Master).

Auch das Backlog kann so priorisiert sein, dass die Anforderungen nur die Teile der Arbeit betreffen, die von der Ferienbesatzung beherrscht werden können (z.B. ein Refactoring der automatisierten Testfälle, wenn alle Entwickler im Urlaub sind, oder ein Proof of Concept, wenn nur Entwickler übrig geblieben sind).

In allen Fällen sollte ein Ziel im Vordergrund stehen: auch während der Ferien sollte in möglichst kurzen Zyklen der Zustand des "potentially shippable" erreicht sein. Das ist aber nur gegeben wenn es eben nicht zur Anhäufung technischer und organisatorischer Schulden kommt.
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