Freitag, 23. Januar 2026

Was Führungsrollen (un)attraktiv macht

Bild: Unsplash / Vitaly Gariev - Lizenz

Eine der interessanteren Studien der letzten Zeit trägt den schönen Namen Führungsetage leer?1 und kommt vom Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung des Instituts der deutschen Wirtschaft. Ihr zufolge sind in deutschen Unternehmen fast 30.000 Führungskräfte-Positionen unbesetzt, gleichzeitig können sich aber nur wenige Nicht-Führungskräfte vorstellen, dorthin nachzurücken - nur 14 Prozent aller Angestellten wären ohne Vorbehalte bereit. Wir laufen damit in eine Art von Führungsproblem hinein.


Auch die Gründe dafür hat die Studie unter 5000 Teilnehmern abgefragt. Es sind hohe Arbeitsbelastung, zu grosse Verantwortung, zu grosse Einschnitte ins Privatleben, zu geringe finanzielle Anreize, der Kontaktverlust zur eigentlichen Arbeit (bzw. den dort arbeitenden Kollegen) und eine zu geringe Unterstützung von mittleren Führungspositionen durch das Topmanagement. Das sagt viel aus über die befragten Menschen, aber noch mehr über ihre Unternehmen.


Als jemand der seit 15 Jahren als externer Berater in zig Unternehmen unterwegs war muss ich leider sagen, dass diese Befürchtungen in vielen Fällen berechtigt sind, da es systemische Ursachen gibt, die zu genau diesen Ergebnissen führen. Zu grosse Aufgabenteilung und die Delegation von Verantwortung ohne Gestaltungsspielraum führen zu ständigen Abstimmungen und Eskalationen, wodurch die Rollen immer politischer werden und sich immer stärker von der eigentlichen Arbeit entfremden.


In diesen Zusammenhängen liegt aber auch die Chance es besser zu machen. Durch eine auf Produkte oder Kunden (statt auf Ressouceneffizienz) ausgerichtete Organisation lässt sich der Abstimmungs- und Eskalationsaufwand reduzieren, durch ein Konnexitätsprinzig kann Verantwortung an Gestaltungsspielraum gekoppelt werden und durch beides geht der Politik- und Bürokratie-Anteil der Arbeit zurück, wodurch wieder mehr Zeit für Fachlichkeit und Technikbezug bleibt.


Das ist natürlich in der Umsetzung eine alles andere als einfache Aufgabe, und die in diesen Ansätzen enthaltenen Ideen von dezentraler Autonomie und bewusstem Verzicht auf (temporäre) finanzielle Optimierung sind genau gegenläufig zur mehrheitlich gelebten Praxis grosser Organisationen. Eine Umgestaltung in diese Richtung wird daher in vielen Fällen auf Skepsis und Widerstände stossen. Stattfinden sollten sie aber trotzdem.


Ist das nämlich nicht der Fall, drohen sich die Tendenzen aus der Studie des Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung zu verstärken. Dann wird (oder bleibt) die Arbeit als Führungskraft so unattraktiv, dass zu wenige sie ausüben wollen. Die zwangsläufige Konsequenz ist, dass Führungspositionen gar nicht besetzt werden, oder in Ermangelung geeigneter Kandidaten durch ungeeignete Personen. Und da kann ich wieder aus eigener Beratererfahrung sprechen: beides ist etwas, das man besser vermeiden sollte.



1Füh0le nur ich mich an Giovanni Trapattoni erinnert?

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