Kommentierte Links (CXXXVII)
Das Internet ist voll von Menschen, die interessante, tiefgründige oder aus
anderen Gründen lesenswerte Artikel schreiben. Viele dieser Texte landen bei
mir, wo sie als „Food for Thought“ dazu beitragen, dass auch mir die Themen
nicht ausgehen. Wie am Ende jedes Monats gibt es auch diesesmal wieder eine
kommentierte Übersicht über die erwähnenswertesten.
In diesem Monat ist das Manifest für agile Softwareentwicklung fünfundzwanzig
Jahre alt geworden, und unter den vielen Menschen, die darüber geschrieben
haben, möchte ich Jim Highsmith hervorheben, der es auf den Punkt gebracht hat:
die
agile Bewegung
hat seitdem gleichzeitig gewonnen und verloren. Gewonnen, weil viele ihrer Ideen
zu Standards geworden sind, verloren, weil viele ihrer Praktiken zu
sinnentleerten Ritualen erstarrt sind. Beides ist wahr.
Dass die Begeisterung für neue Tools den Blick für Realitäten vernebeln kann,
ist ein Phänomen das es schon vor der KI-Welle gegeben hat, das jetzt aber noch
einmal verstärkt wurde. Jeff Gothelf bringt es auf den Punkt - Tems die bisher
bei der Arbeit nur das absolut nötige Minimum geleistet haben, werden durch KI
nicht produktiver - aber sie erreichen dieses absolut nötige Minimum jetzt
mit noch weniger Anstrengung. Das Ergebnis bleibt gleich.
Um ein bekanntes Sprichwort zu paraphrasieren: die bekannten Regelmässigkeiten,
denen das Change Management unterliegt, sind einfach, schnell zu verstehen - und
falsch. Braden Kelley nennt drei dieser scheinbar naheliegenden aber meistens
falschen Faustregeln. 1. Wenn Menschen verstehen, warum Änderungen
angestossen werden, werden sie sie mittragen; 2. Skeptische Minderheiten
sollten so lange bearbeitet werden, bis sie überzeugt sind; 3. Erste kleine
Erfolge ziehen automatisch grössere nach sich. Klingt alles wünschenswert,
ist aber in der Realität meistens falsch.
Ein sehr praktisches Problem, vor dem viele nach Kanban arbeitende Teams
regelmässig stehen: wie visualisiert man Arbeit, an der es gerade aus
irgendeinem Grund nicht weitergeht? Die Antwort ist natürlich "Es kommt darauf
an", da das aber zu generisch ist, formuliert Liam Kane das Ganze weiter auf und
zeigt anhand einiger Wenn-Dann-Bedingungen, welche Arten von Blockaden welche
Arten von Visualisierung nach sich ziehen können.
Manchmal hilft Vereinfachung bei der Kommunikation von komplexen Sachverhalten.
Dieser Text von Lorin Hochstein ist so ein Fall, denn er komprimiert die jüngere
Management-Geschichte auf den Gegensatz der Lehren von Peter Drucker und W.
Edwards Deming. Lässt man sich darauf ein, wird man auf einen ähnlichen Schluss
kommen - die Ideen von Drucker haben gewonnen, zumindest in der westlichen Welt.
Ob das gut oder schlecht ist, kann jeder für sich bewerten.