Greenfield, Brownfield, Blackfield
Es gibt Begrifflichkeiten, die man irgendwann benutzt ohne gross darüber nachzudenken. Im IT-Projektmanagement gehört dazu das Gegensatzpaar Greenfield und Brownfield, welches vereinfacht gesagt für Neuentwicklungen und Weiterentwicklungen von Systemen steht. Wie ich vor kurzem erfahren habe, gibt es aber auch noch eine dritte, bisher neue Kategorie - die des Blackfield, wobei ausgerechnet die in meinem Umfeld relativ häufig ist.
Alle drei sind Teile der metaphorischen Sprache, einer alten, durch das Extreme Programming popularisierten Praktik des Software-Projektmanagement, bei der man komplexe Sachverhalte dadurch nachvollziehbar macht, dass man für ihre Beschreibung Worte des alltäglichen Lebens benutzt. Da die drei "Feldtypen" jeweils typische Ausgangslagen von Entwicklungsprojekten beschreiben, lohnt es sich, sie zu kennen. Hier sind sie:
Greenfield
Zu Greenfield gibt es in der deutschen Sprache sogar eine Entsprechung, nämlich das Beginnen eines Vorhabens "auf der grünen Wiese", wo vorher noch nichts war. Das bedeutet keine bestehenden Strukturen und Architekturen, keine technischen Schulden und keine hohen Betriebsaufwände, auf der anderen Seite aber auch keine Bestandskunden und kein bereits existierendes Business Model. Wenig überraschend: Entwickler lieben Greenfield, Manager sind eher Misstrauisch ihnen gegenüber.
Brownfield
Ohne dass es eine gebräuchliche deutsche Übersetzung gibt, kann man sich Brownfield-Projekte wie Vorhaben auf einem schlammigem Acker vorstellen, in dem die Reste vergangener Vorhaben versunken oder untergepflügt sind. Bestehende Strukturen, Architekturen und technische Schulden (und Business Models) gibt es hier mehr als genug, weshalb alle weiteren Schritte mit etwas "Archäologie" beginnen müssen, um zu verstehen auf was für Fundamente man aufbaut und in welchem Zustand diese sind.
Blackfield
Blackfield ist die neue, mir bisher noch unbekannte Analogie. Um beim Bild zu bleiben: man steht hier auf verbrannter Erde. Gescheiterte Ablöseprojekte, abgebrochene Weiterentwicklungen, hastige Notlösungen und nicht dokumentierte Hotfixes haben ein fragiles Trümmerfeld zurückgelassen, auf dem selbst kleine Veränderungen zu Destabilisierungen und Zusammenbrüchen führen können, die umfangreiche (und teure) Stütz- und Reparaturmassnahmen notwendig machen.
Was vielen nicht bewusst ist: in grösseren und älteren Organisationen (Banken, Behörden, etc.) sind Brownfield-Umgebungen der Normalfall und Blackfield-Umgebungen keine Seltenheit, da IT-Systeme hier z.T. seit Jahrzehnten unter hohem Spardruck entwickelt wurden. Das hat zur Folge, dass bei jedem neuen Vorhaben mit ungeplanten Mehrarbeiten von nicht genau vorhersagbarem Umfang zu rechnen ist, im Extremfall bis hin zu einer Vervielfachung des ursprünglich angenommenen Arbeitsaufwandes.
Um nicht in diese Situation zu geraten, macht es Sinn, die alten Relikte und Ruinen von Zeit zu Zeit zu abzureissen, den Untergrund wieder zu verfestigen und schädliche Rückstände zu entsorgen. Refactoring, wie man in der Softwareentwicklung sagt. Um die Metapher auf die Spitze zu treiben: dabei kann ein Revierpark entstehen, also eine renaturisierte Industriebrache, auf der dann wieder erneut mit einem Greenfield-Ansatz begonnen werden kann.
