Make Meetings great again
Manche Erkenntnisse hat man unbewusst bereits seit langem, man muss aber einmal darauf hingewiesen werden, damit sie es explizit ins Bewusstsein schaffen. Einen derartigen Aha-Effekt habe ich vor kurzem während des Auftritts der Psychologin Rebecca Hinds im Unsiloed Podcast gehabt, in dem sie ein verbreitetes Problem auf den Punkt brachte: die meisten Menschen werden unbewusst darauf konditioniert Meetings schlimm zu finden und abzulehnen.
Die Art auf die das stattfindet dürfte jeder schon irgendwann erlebt haben. Wenn (aus welchem Grund auch immer) das Gespräch auf das Thema Meetings kommt, werden Augen verdreht und es wird gestöhnt. Nur noch Meetings habe man im Kalender, heisst es dann in der Regel, man käme zu nichts anderem mehr. Und sinnlos seien sie auch, eine einzige Zeitverschwendung. Und früher oder später kommt der Spruch, dass statt des Meetings auch eine Email gereicht hätte, darauf kann man wetten.
Natürlich sind diese Klagen in dieser Absolutheit nicht gerechtfertigt. Es ist zwar sicher ein grosser Teil aller Meetings hinterfragbar, viele haben aber einen sinnvollen oder sogar unverzichtbaren Zweck (mehr dazu hier). Was aber durch die Dauerbeschwerden entsteht, ist schlimmstenfalls sogar ein starker Konformitätsdruck, Meetings in der Öffentlichkeit ebenfalls kategorisch schlecht zu finden - selbst wenn man das selbst gar nicht so sieht.
Rebecca Hinds stellte im Podcast dazu ein bemerkenswertes Forschungsergebnis vor: wenn Personen sowohl einzeln als auch Gruppen gefragt wurden, was sie von Meetings hielten, gingen die Antworten deutlich auseinander. In der Gruppe waren die Bewertungen signifikant negativer als in Einzelbefragungen, was ein klarer Indikator dafür ist, dass diese Aussagen nicht auf Fakten zurückzuführen waren, sondern auf die (angenommenen) Erwartungshaltungen der Gruppe.
Um das Ganze ins Positive zu drehen: wenn die weit verbreitete und für die Zusammenarbeit letztendlich schädliche übertriebene Ablehnung von Meetings jeglicher Art im wesentlichen auf fehlgeleitete Gruppendynamiken zurückgeht, dann können wir selbst dafür sorgen, dass sich diese Dynamiken umdrehen. Das Einzige was wird dafür tun müssen ist, positiv über Meetings zu reden, selbst wenn uns das aus den genannten Gründen zu Beginn schwerfällt.
Das heisst natürlich nicht, dass die zweifellos in vielen Meetings vorhandenen Missstände beschönigt oder verschwiegen werden sollen. Es heisst aber, dass durch ein Gegenüberstellen der unzweifelhaft ebenfalls vorhandenen sinnvollen Effekte ein differenziertes Bild entsteht, und dass es auch den anderen Gruppenmitgliedern ermöglicht wird, dieses differenzierte Bild zu haben oder zurückzugewinnen. In diesem Sinne: Make Meetings great again!
