Kommentierte Links (CXXXIX)
Das Internet ist voll von Menschen, die interessante, tiefgründige oder aus
anderen Gründen lesenswerte Artikel schreiben. Viele dieser Texte landen bei
mir, wo sie als „Food for Thought“ dazu beitragen, dass auch mir die Themen
nicht ausgehen. Wie am Ende jedes Monats gibt es auch diesesmal wieder eine
kommentierte Übersicht über die erwähnenswertesten.
Die Geschichte des schwedischen Kriegsschiffs Vasa,
das unmittelbar nach seinem Stapellauf gesunken ist, ist eines der berühmtesten gescheiterten Grossprojekte aller Zeiten. Bei Tom Geraghty findet man nicht nur Bilder ihres Wracks, sondern eine gute Zusammenfassung der verschiedenen Faktoren, die dazu führten, dass es trotz offensichtlich nicht gegebener Seetüchtigkeit auf das Wasser geschickt wurde. Ihr Zusammenspiel ergibt das "Vasa-Syndrom", das sich auch auf andere Vorhaben übertragen lässt.
Eine der besten Erklärungen des Unterschieds von Effizienz und Effektivität ist die, dass Effizienz "build the thing right" bedeutet, Effektivität dagegen "build the right thing". Wem das noch zu abstrakt ist, der kann bei Mike Fisher nachlesen, was es bedeutet, das Richtige zu bauen. Und das erklärt an einem sehr anschaulichen Beispiel, der Entwicklung des ersten motorengetriebenen Flugzeugs im Amerika des frühen zwanzigsten Jahrhunderts.
Value Streams, Value Stream Maps und ähnliche Konzepte sind Klassiker der Organisationsoptimierung, aber Jurgen Appelo hat völlig recht wenn er sagt, dass den meisten von ihnen etwas fehlt: die Abschnitte nämlich, die sich vor und nach der produkterzeugenden Organisation befinden. Oder mit anderen Worten: der Markt, dessen Bedürfnisse, Zahlungsbereitschaften und Nutzerverhalten elementar für den Erfolg jedes Produktes sind.
Itamar Gilad: 5 Ways Product Discovery Breaks Down (Part I), (Part II)
Die beiden Teile dieser Ausführung von Itamar Gilad haben jeweils ihren eigenen Wert. Im ersten klärt er darüber auf, was Product Discovery eigentlich ist (inclusive einiger häufiger Missverständnisse), im zweiten zeigt er auf, warum sie in vielen Unternehmen nicht funktioniert. Besonders nützlich dabei ist, dass er jeden der häufigsten Gründe dafür nicht nur beschreibt, sondern auch erklärt, wie man ihn vermeiden oder beheben kann.
Zum Schluss ein kleiner Gedankenanstoss: in praktisch jedem Management-Ratgeber wird zu radikaler Focussierung geraten, um nur die wirklich wichtigen Dinge zu tun, die aber dafür richtig. Karl Scotland hat völlig recht wenn er sagt, dass das auch schädlich sein kann - dann nämlich, wenn der Focus zum Tunnelblick wird, und man neue Ideen und Impulse dadurch Ignoriert. Er rät dazu, Focussierung anders zu interpretieren: nicht notwändigerweise auf nur ein einziges Thema, aber darauf, nicht zu viele Themen zur selben Zeit anzugehen.