Dienstag, 30. Juni 2026

Kommentierte Links (CXXXXI)

Bild: Pexels / Ekam Juneja - Lizenz
Das Internet ist voll von Menschen, die interessante, tiefgründige oder aus anderen Gründen lesenswerte Artikel schreiben. Viele dieser Texte landen bei mir, wo sie als „Food for Thought“ dazu beitragen, dass auch mir die Themen nicht ausgehen. Wie am Ende jedes Monats gibt es auch diesesmal wieder eine kommentierte Übersicht über die erwähnenswertesten.

Sean Goedecke: Working with product managers

Eines der grossen Probleme rund um die Zusammenarbeit mit Softwareentwicklern, bzw. Softwareentwicklungs-Teams ist, dass ein Grossteil der Literatur zu diesem Thema aus einer Aussenperspektive geschrieben ist, also von Leuten, die keine Entwickler sind, sondern nur mit Entwicklern zusammenarbeiten. Sean Goedecke ist eine der bekannteren Ausnahmen, und auch hier ist ihm oein guter Blick aus der Innenperspektive der Softwareentwicklung gelungen.

Fagner Brack: Degradability

Es gibt Begriffe, deren Bedeutung sich erst erschliesst, wenn man sie einmal erklärt bekommt. Fagner Brack stellt hier einen solchen vor, die Degradability. Hinter diesem Begriff steckt vereinfacht gesagt das Ausmass des Verfalls der technischen Kompatibilität, dem eine Software alleine durch die Entwicklung neuer Tools und Standards ausgesetzt ist. Ist die Degradability einer Anwendung hoch, erzeugt sie ständig neue Arbeit, nur um weiterhin benutzbar zu bleiben. 

Jeff Gothelf: What “done” means when you’re shipping AI features

Die meisten Aussagen über die Veränderung der Softwareentwicklung durch KI focussieren sich auf ein (sehr kontroverses) Thema - die Erzeugung von mehr Quellcode in kürzerer Zeit. Nach Beiträgen zu anderen Aspekten muss man mitunter suchen, aber man findet sie. Z.B. hier bei Jeff Gothelf, der die interessante Idee aufwirft, in die Definition of Done einer Entwicklungs-KI auch Distributionen, Varianzen, Szenarien und Entscheidungsbäume einzubauen. 

Beth Smith: The Copenhagen Fallacy - complexity science and the organisations that keep changing without ever changing

Ein typischer Artikel der Cynefin Co.-Artikel: erzählerischer Einstieg, leicht sperriges Vokabular, wertvoller Inhalt. Beth Smith wirft drei Fragen auf, die man besser vor dem Beginn eines Veränderungsvorhabens klären sollte - wer hat überhaupt Legitimation und Kapazität um Veränderungen anzustossen, welche dezentralen Koppelungen und Abhängigkeiten sind zu berücksichtigen und welche Umgebungsfaktoren begrenzen mögliche Veränderungen?

Erik de Bos: Why Over-Optimized Teams Fail to Deliver Real Performance

Erik des Boos bringt einen der grossen Klassiker zurück, der für praktisch jedes komplexe System gilt. Je stärker in Richtung Spezialisierung, Effizienz und Auslastung optimiert wird, desto geringer ist die Resilienz im Fall ungeplanter Ereignisse. Und da in komplexen Umgebungen ungeplante Ereignisse fast schon der Regelfall sind, sind über-optimierte Teams hier im Zweifel weniger leistungsfähig als solche, die aus lern- und entwicklungsbereiten Generalisten bestehen.

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