Dienstag, 3. März 2020

The agile Bookshelf: Change or die

FS
Bild: Pixabay / sbtlneet - CC0 1.0
In der Theorie ist das Managen von Veränderungsprozessen eine einfache Sache. Sobald die Notwendigkeit erkannt ist wird diese an alle Betroffenen kommuniziert, es wird ein Umsetzungsplan erstellt, auch der wird breit kommuniziert, es folgt die Umsetzung und man ist fertig. Dass dieses Vorgehen in der Realität meistens scheitert liegt an der Konzentration auf den hinteren Teil, die Umsetzung. Wenn aber schon vorher bei den Betroffenen das Verständnis und die Bereitschaft zur Beteiligung fehlen kann davon ausgegangen werden, dass die Umsetzung nicht erfolgreich sein wird.

In seinem Buch Change or die, das auf einem Artikel mit dem gleichen Namen basiert, versucht der Journalist Alan Deutschmann die Ursache für die häufig fehlende Veränderungsbereitschaft zu ergründen, und das gleich zu Beginn an einem drastischen Beispiel: obwohl sie sich bewusst sind, dass sie damit den eigenen Tod in Kauf nehmen, ändern viele Menschen mit Herzerkrankungen ihren Lebenswandel nicht. Auch an anderen Beispielen aus Wirtschaft und Gesellschaft zeigt Deutschmann auf, dass selbst harte drohende Konsequenzen oft kein ausreichender Grund für Änderungen sind.

Die Ursache dafür sieht er in der klassischen Art wie Veränderungsbedarfe kommuniziert werden. Er selber benutzt dafür die Begriffe Facts, Fear und Force (Fakten, Furcht und Zwang), und zeigt auf, dass diese auf Schockmomenten basierenden Konzepte gar nicht langfristig erfolgreich sein können. Kein Mensch kann sich dauerhaft im Zustand der Alarmiertheit, Erregung und Verängstigung befinden, früher oder später setzen Gewöhnung und Abstumpfung ein. Die Veränderungsbereitschaft verschwindet dann so schnell wieder wie sie aufgetreten ist.

Als bessere Konzepte führt Deutschmann Relate, Repeat und Reframe ein (den Bezug zu sich selbst erkennen, Neuerungen nach und nach Verinnerlichen, eine neue Welt- bz. Systemsicht entwickeln). Im genauen Gegensatz zu den Schockeffekten von Facts, Fear und Force handelt es sich dabei um langwierige, dafür aber auch nachhaltige Prozesse, mit denen auch umfangreiche und drastische Veränderungen möglich sind. Auch hierfür führt er zahlreiche Beispiele aus Wirtschaft und Gesellschaft an.

Obwohl Artikel und Buch nicht neu sind (verfasst 2005, bzw. 2007) sind sie noch nicht im Mainstream angekommen, noch immer wird die Sinnhaftigkeit von Veränderungsvorhaben auf die klassische Weise kommuniziert (statt Facts, Fear und Force spricht man heute aber eher vom Sense of Urgency). Sie sind daher weiterhin als Leseempfehlung nutzbar und haben nichts von ihrer Aktualität eingebüsst.
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