Donnerstag, 6. Mai 2021

Praxisbeispiel: Lean Management im Impfzentrum

Bild: Unsplash / Mufid Manjun - CC0 1.0

Dass Lean Management keineswegs nur für die Optimierung von Fabriken geeignet ist dürfte sich schon länger herumgesprochen haben, nach einfach nachvollziehbaren Beispielen dafür musste man aber etwas suchen - bis jetzt. Mitten in der Corona-Pandemie ist es gelungen mit diesem Vorgehen eine der Einrichtungen zu optimieren die im Augenblick im absoluten Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen: ein Impfzentrum.


Eine kurze Rückblende. Bis Mitte April waren alle Berichte über das Impfzentrum des Rhein-Kreises Neuss eher negativ. Lange Warteschlangen und bürokratische Prozesse sorgten für Unwillen unter den Bürgern die sich für ihre Impfung im kalten Wetter anstehen mussten und angesichts der dort aufgestauten Menschenmengen einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt waren. Das einzig Gute an diesen Missständen: die Notwendigkeit von Verbesserungen wurde durch sie offensichtlich.


An dieser Stelle kam das sprichwörtliche Glück im Unglück ins Spiel. Unter den freiwilligen Helfern befand sich auch der Lean-Experte Andreas Syska, der ab März mit der Optimierung der Abläufe betraut war. Aus seinem ersten Bericht kann man entnehmen welche Praktiken nach und nach eingeführt wurden: Wertstrommapping, Line Balancing, Verschwendungsanalyse, Kreidekreis, Standardisierte Arbeitsprozesse und bessere Visualisierung.


Die Ergebnisse dieser Massnahmen werden jedem bekannt vorkommen der schon einmal mit der Optimierung von Produktions- und Geschäftsprozessen befasst war. Flaschenhälse wurden erweitert, Rückstaus aufgelöst, Laufwege selbsterklärend gestaltet und unnötige oder redundante Abläufe abgeschafft. Bereits Ende April gehörte das Impfzentrum dadurch zu den effektivsten in Deutschland. Einen kleinen Einblick gibt dieses Video:



Überhaupt scheint das Impfzentrum des Rhein-Kreises für Innovationen grundsätzlich sehr aufgeschlossen zu sein. So gehörte es zu den ersten die es impfwilligen Personen ermöglichten per SMS über Impfstoff-Restposten informiert zu werden um sich selbst als Nachrücker anzubieten. Letztendlich nichts anderes als eine Kombination aus Digitalisierung und Pull-Prinzip. Und für noch mehr Beschleunigung sind mobile Impfteams unterwegs.


Das Beispiel aus Neuss zeigt sehr gut zu welchen Effektivitätssprüngen selbst öffentliche Einrichtungen in der Lage sind wenn sie sich auf moderne Management-Methoden einlassen. Und neben den geimpften Bürgern profitieren auch die deutschen Agile- und Lean-Coaches, die jetzt über ein weiteres plakatives Beispiel verfügen um die Vorteile ihrer Ansätze für jeden nachvollziehbar zu erklären.


Nachtrag 10.06.:

Auch in Japan gibt es vergleichbare Initiativen. Wenig überraschend.

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