Donnerstag, 8. Oktober 2026

The Agile Bookshelf: The Problem with Change

Bild: Flickr / CoCreatr - CC BY-SA 2.0

Jeder Mensch hat irgendwo in seiner Wahrnehmung der Welt blinde Flecken, und bei vielen Menschen, die beruflich mit dem Managen von Veränderungen beschäftigt sind, betreffen diese blinden Fecken paradoxerweise die Veränderungen selbst. Sie werden wie selbstverständlich als etwas Positives oder zumindest Natürliches wahrgenommen, und dass andere Personen eine ganz andere Sicht auf dieses Thema haben könnten, wird gar nicht in Betracht gezogen.


Das Buch The Problem with Change, geschrieben vom amerikanischen Manager und Unternehmensberater Ashley Goodall setzt an dieser Stelle an. Goodall ist nicht per se gegen Veränderungen, er sieht sie aber nur als Mittel zum Zweck und nicht als etwas Erstrebenswertes an sich. Und er weist darauf hin, dass die Ablehnung von Veränderung durch viele Menschen nichts Irrationales ist, sondern auf psychischen Bedürfnissen (bzw. deren Missachtung) beruht.


Zu den Problemen, die seiner Beobachtung nach die Veränderungen in Organisationen für deren Angehörige mit sich bringen, gehören Ungewissheit über die (berufliche Zukunft), Gefühle von Kontrollverlust und verlorengehender Zugehörigkeit, der Verlust gewohnter Umgebungen und der Verlust von sinnstiftenden Grundlagen der eigenen Arbeit  (Zielen, Missionen, erreichten Erfolgen, etc.). All das wirkt sich negativ auf die Psyche der Betroffenen aus.


Dabei sieht Goodall im Eintreten dieser Effekte keineswegs eine Zwangsläufigkeit. Er beschreibt eine Reihe von Massnahmen, mit denen das Management ihnen entgegenwirken kann, u.A. die Gewährung von Freiräumen bei der Mitgestaltung der Veränderungen, das Aufzeigen von Selbstwirksamkeit, Transparenz und Ehrlichkeit (auch wenn das anstrengend und unangenehm sein kann) und das Erhalten von Stabilität gebenden Elementen (Routinen, Umgebungen, Zugehörigkeiten, etc.). 


Der aus meiner Sicht spannendste Ansatz ist der, der im Buch die "Radikalisierung von HR" genant wird. Statt sich bei in Veränderungsprozessen auftretenden Konflikten zwischen Management und Belegschaft auf eine Seite zu schlagen, sieht er die Aufgabe der Personalabteilungen darin, beiden Seiten zu vermitteln, dass ihre Ziele sich ergänzen und überlappen, weshalb beide ein Interesse daran haben sollten, zusammenzuarbeiten, statt gegeneinander - auch jenseits der Komfortzonen.


Ich habe eine ganze Reihe von Change Managern, HR-Kräften, Agile Coaches, Unternehmensberatern und sonstigen veränderungsbegleitenden Berufen erlebt, denen das Lesen von The Problem with Change gutgetan hätte, und ebenfalls vielen, die ohne das Buch zu kennen seine Grundideen verstanden und angewandt haben. Wenig überraschend haben die Ersten ihre Veränderungsvorhaben regelmässig vor die Wand gesetzt, während die Zweiten sie meistens erfolgreich gestalten konnten.

Related Articles