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Dienstag, 20. Januar 2026

Agile Compliance (II)

Seit kurzem kann ich einen weiteren Punkt in meiner grossen, ständig nachwachsenden To Do-Liste abhaken: ich habe einen Beitrag in einem juristischen Fachbuch veröffentlicht, und zwar in Product Compliance, Herausgegeben von Chibanguza und Steege im Nomos Verlag. Damit habe ich jetzt einen zweiten Grund um mich Autor zu nennen, aber auch darüber hinaus ist das Thema eines, das für mich schon seit längerer Zeit wichtig ist.


Wie ich schon einmal geschrieben habe, wird in einem agilen Vorgehen Compliance sichergestellt, indem die notwendigen Dokumentationen parallel zur Produktentwicklung fertiggestellt werden. Das bedeutet zwar, dass mehr (und unterschiedlichere) Arbeit parallel stattfinden muss, im Gegenzug ist der Zustand des "potentially shippable" damit durchgehend gewährleistet und nicht nur punktuell (denn: ohne Compliance keine Auslieferung). Und die Nachdokumentations-Aufwände am Ende fallen weg.


Um sicherzustellen, dass es so kommt, kann mit zweien der klassischsten unter den agilen Praktiken gearbeitet werden: der Definition of Ready (DoR) und der Definition of Done (DoD) bezw. mit ähnlich funktionierenden aber abweichend benannten Policies, Quality Gates oder vergleichbaren Ansätzen. Unanhängig vom Namen ist dabei wichtig, dass im Voraus klar ist, wie mit Compliance-Themen umgegangen wird, und dass bei jeder einzelnen Auslieferung eine Konformität gegeben ist.


Zunächst zur im Voraus nötigen Klarheit. Die bedeutet nicht, dass schon vor Beginn der Arbeit feststehen muss, welche Normen erfüllt werden müssen. Bei einem Vorgehensmodell, das die Art der Umsetzung möglichst lange offen lässt wäre das auch schwierig. Es kann aber in der DoR im Voraus festgelegt werden, welche Vorgaben zu prüfen oder welche Experten zu konsultieren sind, um das aktuelle Increment für compliant erklären zu können (zum Increment gleich mehr).


Die Art auf die das geschieht, kann dann Teil der DoD sein. Je nach Kontext kann die Ausgestaltung unterschiedlich sein, mögliche Varianten sind aber wie oben gesagt der Abgleich mit bestehenden Regeln und Gesetzen, die Freigabe durch einen Juristen, Datenschützer, o.Ä. und wenn erforderlich die Erstellung der dazugehörigen Dokumentation. Das kann natürlich bedeuten, dass z.B. ein Jurist Teil eines Softwareentwicklungsteams werden muss - aber das ist eben Crossfunktionalität.


Um sich dabei nicht zu verzetteln ist es schliesslich wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, welcher Arbeits- oder Funktionsumfang denn jeweils Compliance-konform sein muss. Es ist das Increment, ein Begriff mit sehr spezifischem Inhalt: zu ihm gehört nicht nur der Umfang des letzten Sprints oder Arbeitspakets, sondern ausserdem die Summe aller bereits vorher erstellten Arbeitsergebnisse. Nur als Ganzes kann ein Increment compliant sein, und nicht lediglich in Teilen.

Montag, 19. August 2024

Podcasting (IV)

Bild: Pexels / Fox1004 - Lizenz

In letzter Zeit bin ich mal wieder "ausser Haus unterwegs gewesen". Genauer gesagt durfte ich in den letzten beiden Monaten in zwei Podcasts zu Gast sein, zuerst bei Agile Soul von Susanne Jung und Tim Müller (aus dem Gespräch sind sogar gleich zwei Folgen entstanden) und danach in einem zweiten mit dem schönen Namen No Bullshit Agile.


Bei Tim und Susanne ging es um das Thema Veränderungsmüdigkeit oder Change Fatigue, ein Phänomen das dort auftritt, wo Menschen das Gefühl haben, in unnötige oder unnötig häufige Veränderungs-Programme hineingezogen zu werden. Wir sind dabei auf verschiedene Aspekte eingegangen: was das ist, welche verschiedenen Ausprägungen es gibt, wie es entsteht, wie man damit umgehen kann und inwiefern man als Change Agent selbst davon betroffen sein kann.


In No Bullshit Agile habe ich mit dem Host Thomas über die Agilität im grossen Massstab gesprochen, und darüber wie sich die Arbeit an diesem Thema von der auf Teamebene unterscheidet. Dabei sind wir nur sehr kurz auf die Skalierungsframeworks wie LeSS oder SAFe eingegangen, im Mittelpunkt stand eher, wie man grundlegende Rahmenbedingungen schaffen kann, und in welchen Bereichen das überhaupt nötig ist (Budgeting, Compliance, etc).

Montag, 27. November 2023

Podcasting (III)

Bild: Unsplash / Will Francis - Lizenz

Vor kurzem bin ich halb im Scherz als "Podcaster ohne Podcast" bezeichnet worden, da ich mittlerweile in mehreren zu Gast gewesen bin. Ganz soweit würde ich zwar nicht gehen (es sind bisher gerade einmal sechs solche Gastauftritte zusammengekommen), aber wer weiss was noch kommt. Hier sind erstmal die beiden neuesten.


Der hier ist schon einige Wochen her, und er dürfte das vielleicht kontroverseste Thema haben, mit dem ich bisher an die Öffentlichkeit gegangen bin. In André Claassens OKR-Podcast habe ich mit ihm darüber gesprochen, warum ein Scrum Master kein Coach sein kann (u.a. wegen keiner Auswahl durch die Coachees und keiner eigenen Agenda-Freiheit). Da viele Inhaber dieser Rolle sich aber explizit als (Agile) Coaches sehen habe ich in Folge einige lebhafte Feedbacks erhalten.

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Die neueste Aufnahme ist wieder eine zu einem meiner Lieblingsthemen, zu dem ich auch schon Konferenzvorträge und eine andere Podcast-Aufnahme gehabt habe: Transformations-Metriken, an denen das Management auch die Ergebnisse der eigenen Arbeit messen kann, und nicht nur die der Ausführungsebene. Mit Miriam Sasse und Ellen Duwe vom Agile World News-Podcast hatte ich diesesmal gleich zwei Gesprächspartnerinnen um mich darüber auszutauschen.

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Montag, 4. September 2023

Podcasting (II)

Bild: Unsplash / Jonathan Farber - Lizenz

Wer wissen möchte was ich denke und wie ich schreibe, kann das auf dieser Zeite in ausreichendem Ausmass erfahren. Mehrere hundert Texte sind über die Jahre zusammengekommen, das sollte für einen halbwegs soliden Eindruck reichen. Auch wie ich aussehe ist mittlerweile klar, auf mehrfachen Wunsch habe ich auch ein Bild hochgeladen. Zuletzt kann man mich auch hören, ich bin über die Jahre in dem einen oder anderen Podcast zu Gast gewesen. Hier sind die beiden neuesten.


Bei den Produktwerkern war ich bereits vor einigen Monaten zu Gast, und das sogar schon zum zweiten mal. Das Thema war Product Operations, also der Ansatz, der Produktmanagern und Product Ownern den Zugang zu bereits im Unternehmen vorhandenem Prozess- und Kundenwissen erleichtern und ihnen Routinetätigkeiten abnehmen soll. Meiner Meinung nach immer noch der  Trend, dessen Überschwappen nach Deutschlang nicht schnell genug gehen kann.

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Ein anderes, eher klassisches Thema habe ich vor kurzem mit Harald Wild im Agile Focal Point Podcast besprochen. Scrum ist (mit unterschiedlich guter Umsetzung) bis heute das dominante agile Framework. Wer sich über Agilität unterhalten will kommt daher nicht daran vorbei auch regelmässig über Scrum zu reden. Das Bemerkenswerte daran: auch nach über 30 Jahren ist es noch nicht so, dass das Thema erledigt wäre. Ein Dauerbrenner.

Episode #7: Felix Stein – Scrum oder Scream?

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Die nächsten Podcasts sind übrigens bereits in der Pipeline, mehr dazu bei Gelegenheit.

Montag, 23. Mai 2022

Podcasting

Bild: Pixabay / Connie_SF - Lizenz

Wer wissen möchte was ich denke und wie ich schreibe kann das auf dieser Zeite in ausreichendem Ausmass erfahren. Mehrere hundert Texte sind über die Jahre zusammengekommen, das sollte für einen halbwegs soliden Eindruck reichen. Auch wie ich aussehe ist mittlerweile klar, auf mehrfachen Wunsch habe ich auch ein Bild hochgeladen. Nur wie ich mich anhöre blieb unklar - bis dieses Jahr. In den letzten Monaten war ich in zwei Podcasts zu Gast, natürlich auch in Folgen zum Thema Agilität.


Der neuere der beiden Auftritte fand bei den Produktwerkern statt, wo ich mit Oliver Winter über Agilität im Konzern sprechen durfte. Mein Spezialgebiet gewissermassen, den Grossteil meiner Einsätze als Berater, Agile Coach und Scrum Master hatte ich in Banken, Versicherungen, Handelskonzernen und den Herstellern von Strom und Autos. Ohne den Inhalt vorwegnehmen zu wollen - es ist nicht alles so schlimm wie viele denken, in einigen Aspekten ist Agilität im Konzern sogar einfacher als in kleinen Firmen.

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Auch der zweite, schon etwas zurückliegende, Podcast-Auftritt dreht sich um dieses Thema. In André Claassens OKR-Podcast habe ich darüber gesprochen welche Metriken man benutzen könnte um in agilen Transitionen nicht nur die Effektivität der Teams zu messen sondern auch die Wirksamkeit des Managements. Das Thema war ursprünglich ein Text auf dieser Seite, daraus wurde später ein Konferenz-Vortrag auf der Manage Agile und darüber dann eine Podcast-Folge bei André.

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In meiner Firma haben wir schon mehrfach darüber nachgedacht selbst einen Podcast zu produzieren. Das Thema wäre (Überraschung!) wohl Agilität im Konzern, schliesslich sind auch die anderen in diesem Bereich tätig. Mal sehen ob wir irgendwann dazu kommen.

Donnerstag, 11. August 2016

Agilität durch Job Hopper

Bild: Wikimedia Commons/Brussels Airport - CC BY-SA 2.0
Ich habe mal wieder einen Artikel für das IT-Freelancer Magazin verfasst: Warum meine Kunden davon profitieren, dass ich nicht nur für sie arbeite. Verkürzt gesagt geht es dort darum, dass jemand der für mehr als ein Unternehmen arbeitet in ganz anderer Weise zur gemeinsamen Wertschöpfung beitragen kann als jemand der Vollzeit vor Ort ist. Neue Methoden, andere Programmiersprachen, alternative Tools und vieles mehr würden für viele interne Mitarbeiter nur schwer zugänglich sein, jemand der bei einem zweiten Kunden unterwegs ist erlebt sie dort ständig live in Aktion. Auch "alternativlose" Entscheidungen lassen sich ganz anders hinterfragen wenn man belegen kann dass die angeblich nicht vorhandenen Alternativen an einem anderen Ort existieren und erfolgreich umgesetzt werden. Das Einbinden von Freelancern, Consultants und sonstigen "Job-Hoppern" kann also für frische Ideen, neue Blickwinkel und neue Lösungsansätze sogen. Und: für mehr Agilität.

Im Grunde ist auch das relativ einfach: das in agilen Methoden vorgesehene Inspect & Adapt bedeutet nichts anderes, als dass permanent nach neuen Wegen gesucht wird effizienter, einfacher, billiger oder schneller ans Ziel zu kommen. Neues soll ausprobiert werden, Experimente gewagt, Hypothesen validiert. Das setzt allerdings voraus, dass man überhaupt von diesen neuen Möglichkeiten weiss. Ein simples Beispiel: ein Team aus introvertierten Eigenbrötlern kann möglicherweise in ungeahnter Weise zu besserer Zusammenarbeit gebracht werden indem man es zu Mob Programming oder auch nur zu Mob Code Reviews überredet. Und nicht nur die Zusammenarbeit kann sich so verbessern - in diesem Fall kann auch die berühmte Schwarmintelligenz zum Tragen kommen, wordurch das Produkt schneller und in besserer Qualität fertig wird. In den meisten Firmen in denen ich war ist dieses Konzept allerdings völlig unbekannt gewesen. Ohne externen Input (in diesem Fall durch mich) wäre es das auch geblieben.

Natürlich bedeutet das nicht, dass externe Teilzeitkräfte ein Allheilmittel sind. Einiges kann auch dagegen sprechen, etwa die dadurch verursachte Instabilität der Teams, die Abstimmungsprobleme in den Abwesenheitsphasen oder die Errichtung bürokratischer Hürden durch Konzern-Trolle. Auch kann es je nach Rolle Unterschiede geben, z.B. mag es bei einem agile Coach besser funktionieren als bei einem Tester. Das alles wird sich je nach Einzelfall anders lösen lassen, die Gesamtaussage bleibt aber: wer sich Job Hopper in Haus holt kann dadurch die eigene Agilität befördern.